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Naziaufmarsch in Dorfen

Am 31.03. beehrten wiedereinmal Nazis das wunderschöne Städtchen Dorfen in Oberbayern. Gut 400 Menschen demonstrierten gegen das Treiben der Rechtsextremen, die mit lediglich 75 Teilnehmern ihre großspurig verbreiteten Erwartungen um Längen verfehlt haben. Wegen der üblichen Abgrenzungsreflexe der Bürgerlichen gegenüber linken AntifaschistInnen konnten keine wirksamen Blockaden durchgeführt werden.


Dorfen 31.03.: Nach nur einer Woche Mobilisierung konnte das Bündnis gegen Rechts Dorfen knapp 300 Menschen zu einer Kundgebung auf dem Johannisplatz begrüßen.
Leider konnte sich das bürgerliche Bündnis aus Stadt und Kirchen „Dorfen ist Bunt“ nicht darauf einigen, mit dem „Bündnis gegen Rechts“ eine gemeinsame Kundgebung durchzuführen. Besonders reaktionäre Kräfte wollten sich nicht durchringen, die Bühne mit linken und antifaschistischen Kräften zu teilen.So gab es parallel zwei Kundgebungen, wobei die bürgerliche erst nach Ende der antifaschistischen Kundgebung nennenswerte Teilnehmerzahlen erreichen konnte.
Beim „Bündnis gegen Rechts“ wurde nach der Verlesung der leidigen Auflagen mit Berichten aus verschiedenen Städten (Erding, Landshut, Mühldorf/Altötting) über deren Probleme mit Nazis begonnen.
Darauf folgte ein Rede des Bündnisses zum Kontext des aufkeimenden Neofaschismus, wobei ein Schwerpunkt auf den Überschneidungen zwischen Nazis und bürgerlicher Mitte, besonders in Bayern, gelegt wurde. Insbesondere der fortschreitende Sozialabbau und die Militarisierung der Politik wurden hierbei angeführt. Ebenso wurde auf die Studie der Friedrich Ebert Stiftung zur Verbreitung von rechtsextremem Gedankengut in der bürgerlichen Mitte Bezug genommen.
Danach sprach ein weiterer Vertreter des Bündnis gegen Rechts zu der verhinderten Zusammenarbeit mit dem bürgerlichen Bündnis und der Notwendigkeit diese ideologischen Abgrenzungsrituale zu überwinden. Desweiteren nahm er Bezug auf den Wunsch eines Zusammenschlusses von Gewerbetreibenden aus Dorfen doch endlich „Ruhe zu haben“ und nicht „nur“ auf Grund einer Abgrenzung gegenüber der NPD auf die Umsetzung deren Forderung eines „konsequenten“ Vorgehens gegen das „linke“ JZ zu verzichten (siehe Zeitungsbericht).
Als letztes folgte die Rede des Holocaustüberlebenden Martin Löwenberg. Dieser bewarb die Kampagne der VVN-BdA für ein neues NPD-Verbot (www.npd-verbot-jetzt.de). Dies begründete er mit seinen eigenen Erfahrungen im NS-Regime und im KZ Flossenbürg, welche er eindrucksvoll schilderte. Auch die falsche Toleranz der Bürgerlichen gegenüber Naziumtrieben und deren Kriminalisierung von antifaschistischen Aktivitäten wurde erwähnt. Mit dem Beispiel, dass der historische NS bei einer Zusammenarbeit von Demokraten mit Antifaschisten verhindert hätte werden können, ermutigte er alle, insbesondere die jugendlichen AntifaschistInnen, weiterhin aktiv gegen alle faschistischen Aktivitäten aufzutreten und den Totengräbern der Demokratie keine zweite Chance zu geben.

Die Nazis sammelten sich ab 12.00 Uhr am Dorfener Bahnhof, wobei der große Triumphzug durch Dorfen mangels Teilnehmer eher zu einer Blamage für Norman Bordin (JN Bayern) wurde. Gezählte 75 Nazis konnten der Möchtegernführer Bordin und seine kleinen Vasallen Thomas Wittke (JN München), Felix Benneckenstein (Km. Erding) und Robert Dietrich (NPD Freising-Erding-Ebersberg) um sich scharen. Mit dem üblichen Gejammer über die „antideutschen Zustände“ in Deutschland zog der Tross, von einem sichtlich gereizten Bordin an der Anlage angefeuert, durch das Städtchen. Anscheinend hat Bordin nicht den nötigen Rückhalt in der Naziszene, um zu einem freigewählten Datum mehr als die üblichen Verdächtigen um sich zu sammeln. So waren hauptsächlich Nazis aus Franken, München und Erding als letzte Getreue des Ungarnurlaubers (siehe Panoramabericht) Bordin erschienen. Und das obwohl zuerst noch großkotzig getönt wurde, dass, nachdem ein Verwaltungsgerichtsurteil den Nazis den Weg durch die Stadt geebnet hatte und die Nazis lange genug Zeit hatten ihre Mobilisierung vorzubereiten, sie ihre bisherigen Märsche übertreffen würden. Nach Adam Riese sind aber 75 Nazis weniger als die mehr als 100 Nazis der vergangenen Aufmärsche…. Kein Wunder, wenn man seine Demo parallel zum Bezirksparteitag der NPD Niederbayern legt. Offensichtlich ist Bordin doch nicht so der große Chef wie er vielleicht selber meint….

Nach den antifaschistischen Kundgebungen verteilten sich die gut 400 AntifaschistInnen entlang der Naziroute, um diese gebührend zu empfangen. Mehr als Rufen war allerdings nicht drin. Einige Klein- und Kleinstgruppen hatten noch bei dem Versuch an die Naziroute zu kommen Zusammenstöße mit der Polizei, wobei diese völlig überzogen mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf die AntifaschistInnen losging und dabei noch heldenhaft einen Kinderspielplatz zerstörten (ja, die Bullen haben eine Rutsche kaputt gemacht, buäh).

Insgesamt außer Spesen nix gewesen. Nazis und andere Reaktionäre werden von ihren Angriffen gegen das Jz auch in Zukunft nicht ablassen, also muss sich eine linke und antifaschistische Bewegung (die diesmal erfreulicherweise auch von weiter her den Weg nach Dorfen gefunden hatte und bei denen wir uns natürlich für ihr Erscheinen bedanken wollen) die Frage stellen: Quo vadis Dorfen? Wie kann man in die dörfliche Idylle sinnvoll intervenieren und mobilisieren?

Aus Sicht der Polizei: Polizeibericht

Indymedia-Artikel (mit Fotos und Kommentaren): Indymedia

Artikel im Dorfener Anzeiger: Artikel 1 und Artikel 2

Video vom Naziaufmarsch und Mitschnitte der Rede von Martin Löwenberg: hier