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kurzer Bericht vom Warnstreik bei Inntaler

Am 22. Juni fand vor dem Inntaler Werk (Spartengruppe der BMI) in Landshut ein Warnstreik der Belegschaft statt. An diesem beteiligte sich auch das linksradikale Spektrum Landshuts in Form des Forums Autonomer Umtriebe Landshut [F.A.U.L.] und der Gruppe zur Kritik der Verhältnisse.
Folgender Flyer der Gruppe zur Kritik der Verhältnisse wurde unter den Streikenden verteilt und von den Anwesenden mit großem Interesse aufgenommen:

Die Krise scheint überwunden, das Kapital macht wieder Gewinne. So oder so ähnlich wird in der Öffentlichkeit die derzeitige Lage Deutschlands diskutiert. In Landshut soll nun das BMI Werk in der Klötzlmüllerstraße geschlossen werden. Hier wurde bislang von 50 Angestellten Futtermittel produziert. Zusammen mit der hier ansässigen Hauptverwaltung droht nun rund 150 Arbeitnehmern die Entlassung.

Aufschwung und Entlassung?

Was zunächst als Widerspruch erscheint, steht tatsächlich in unmittelbarem Zusammenhang. Nicht etwa, dass die BMI eG vor dem Konkurs stände. Es geht ihr wirtschaftlich prächtig. Auch das Bedürfnis nach Futtermitteln hat sich natürlich nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Nein, das Bedürfnis ist nicht der Maßstab und die wirtschaftlich gute Lage kein Grund, nicht trotz dem noch etwas mehr zu wollen. Das Kapital war schon immer die end- und maßlose Bewegung nach immer mehr Mehrwert. Die ökonomische Erholung der deutschen Wirtschaft ist kein Erfolg kluger Krisenpolitik, sondern lediglich dem Umstand geschuldet, dass man hierzulande dieser Bewegung mit Flexibilisierung, Reallohnverlust, Sozial- und Stellenabbau Schwung einzuhauchen vermochte. Auch die Landshuter Angestellten der Futtermittelwerke werden nun zu Opfern des Aufschwungs. Wenn der Profit im Kerngeschäft winkt, dann wird keine Rücksicht genommen auf ihre Existenzen, das dazugehörige Gelände wird abgestoßen und die Leute stehen auf der Straße. Das Kapital fließt dorthin, wo es am meisten Profit abwirft.

Lohnarbeit
Grundlage kapitalistischer Vergesellschaftung ist die Form, in der Arbeit organisiert wird. Sie wird als Lohnarbeit vom Kapital gekauft, mit dem Zweck aus Kapital mehr Kapital zu machen. Bedürfnisbefriedigung ist dabei höchstens zufälliges Beiprodukte. Um diese Arbeitsplätze, die das Kapital einkauft, müssen nun alle Menschen beim Untergang ihrer Existenz konkurrieren. D.h. die Arbeiter_innen müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um ihr Leben bestreiten und wenn es gut läuft alle Jahre am Mittelmeer das Zelt aufzuschlagen zu können. Schlimmer als seine Arbeitskraft zu verkaufen, ist in der heutigen Welt nur noch, sie nicht verkaufen zu können und auch auf die letzten Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Schon deswegen erklären wir uns mit den Kämpfenden bei BMI solidarisch.
Nichts desto trotz dürfen wir uns keiner Illusion hingeben. Die Kämpfe sind solche der Abwehr und Lohnarbeit kann und darf niemals unser Ziel sein. Sie ist nicht nur zwingend ein Projekt der Ausbeutung, da immer nur die Arbeitskraft, niemals der Wert der produzierten Waren bezahlt wird. Menschliche Tätigkeit
kann vielmehr solange sie als Lohnarbeit organisiert wird, unmöglich anders, als Menschen vom Gebrauch der durch sie produzierten Güter auszuschließen. Der Reichtum wird als Warenwert produziert und erscheint daher als Privateigentum der Kapitalisten anstatt der Bedürfnisbefriedigung aller zu dienen. Wir wollen also nicht Lohnarbeit, keine Ausbeutung durch das Kapital für alle, sondern eine vernünftige Organisation menschlicher Arbeit zur Bedürfnisbefriedigung aller!

Gesetz des Marktes
Peter Hartmann befolgt die Gesetze des Marktes. Dieses Gesetzt heißt Profitmaximierung und darf nicht mit der Gier des einzelnen Managers verwechselt werden. Es ist die konsequente Folge des kapitalistischen Normalbetriebs! Der Kapitalismus zeigt sich außer Lage die gestiegenen Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung vernünftig zu organisieren, es geht nicht um die Produktion von Gebrauchswerten wie Futtermittel, sondern um die zumindest zeitweilige Maximierung des Profits. Wahnsinnig ist nicht die Gier, wahnsinnig ist ein System, dass sie zum Prinzip der Vernunft erhebt. Statt dem schönen Leben wächst für uns nur die Konkurrenz und der Leistungsdruck.

Her mit dem schönen Leben!

Der Kapitalismus hat die Mittel bereitgestellt, um allen Menschen weltweit ein schönes Leben zu ermöglichen. Doch im Kapitalismus wird menschliche Arbeit so organisiert, dass sie zum Schaden der Menschen ist. Deswegen treten wir für ein Ende dieser Diktatur des Profits über die menschlichen Bedürfnisse ein und fordern die vernünftige Organisation der Produktion zur menschlichen Bedürfnisbefriedigung!
Gegen die menschenverachtende Dynamik des Kapitalismus setzen wir daher die Vision einer kommunistischen Gesellschaft, in der nicht staatliche Zwecke oder die Zwänge des Marktes, sondern die menschlichen Bedürfnisse der Maßstab der Produktion sind. Deshalb gilt es „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx).

Gruppe zur Kritik der Verhältnisse

„Schlimmer als seine Arbeitskraft zu verkaufen, ist in der heutigen Welt nur noch, sie nicht verkaufen zu können und auch noch auf die letzten Annehmlichkeiten verzichten zu müssen.“

Solidarität mit den Kämpfenden bei Inntaler!
Für den libertären Kommunismus!