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Unser Beitrag zum 75. Jahrestag des Ausbruchs der Revolution in Spanien

Hierbei handelte es sich unserer Meinung nach um eine der fortschrittlichsten sozialen Revolutionen, die jemals von Statten gegangen sind. Obwohl letztendlich gescheitert, ermöglichte diese Millionen von Menschen für kurze Zeit ein Leben in völlig neuen, freiheitlichen Verhältnissen. Doch mehr dazu im Text:

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19. Juli 1936: Ausbruch der sozialen Revolution in Spanien

Menschen laufen freudig erregt durch die Straßen, die Fäuste triumphierend in die Luft gestreckt, vom Staub und Schießpulver verdreckte Proletarier verbrüdern sich mit Polizisten, die ihre Uniform abgelegt haben und ihren Vorgesetzten nicht mehr gehorchen, überall schwarz-rote, rote und schwarze Fahnen. Leute plündern ein Pfandhaus und verteilen die Gegenstände an die Umstehenden, bewaffnete Arbeitermilizen patrouillieren durch die Straßen, Kirchen werden in Brand gesteckt, Verwundete verbluten in den Lazaretten, während überall der Sieg über die Reaktion verkündet wird.
Und der Präsident sitzt in seinem Regierungsgebäude und fragt sich, wo seine ganze Amtsgewalt hin ist.

Rechter Militärputsch

Wir befinden uns in Barcelona, vor exakt 75 Jahren. In der Nacht zum 19. Juli 1936 hatten sich in ganz Spanien rechtsgerichtete Militärs1 gegen die Republik erhoben, um eine Militärdiktatur einzuführen. In Teilen Spaniens – wie in Katalonien, Aragonien, Kastilien oder der Levante, also vor allem im östlichen und nördlichen Teil – konnte der Aufstand durch spontan gebildete und bewaffnete Arbeitermilizen und loyal gebliebene Armee – und Polizeieinheiten innerhalb wenigen Tagen niedergeschlagen werden. Im südlichen und westlichen Teil Spaniens gelang dies allerdings nicht, so dass sich dort der Putsch recht schnell gegen den Widerstand durchsetzen konnte.
Dieser Kampf, der sich zum fast dreijährigen spanischen Bürgerkrieg ausweitete, darf allerdings nicht als Kampf zwischen Diktatur und Republik2 verstanden werden. Dies wird der damaligen ökonomischen, sozialen und politischen Realität nicht gerecht. Denn viele, die gegen die rechten Putschisten kämpften, taten dies durchaus nicht für den Erhalt einer Republik, die sich nur durch die Gewehre der Guardia Civil und durch feuchte Folterkeller vor dem Kollaps bewahrte.

Die sozialen, politischen und ökonomischen Verhältnisse in Spanien

Hierzu ist es notwendig kurz auf die sozialen Zustände Spaniens vor 1936 einzugehen.
Spanien war ein rückständiges Land. Bis auf ein paar Ballungsgebiete war die Industrialisierung nicht weit vorangeschritten und auf dem Land war die Macht der halbfeudalen Großgrundbesitzer kaum gebrochen, so dass viele Bauern_Bäuerinnen3 vom Zugang zu Land ausgeschlossen waren und daher unter jämmerlichen Bedingungen4 schuften und dahinvegetieren mussten. Auch die Arbeiterklasse lebte – wie damals weltweit üblich – unter erbärmlichen Zuständen5, so gab es keinerlei soziale Absicherungen, sowie Löhne, die zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben waren und von Unternehmern angeheuerte „Pistoleros“ machten Jagd auf Gewerkschafter_innen. Anders als in manch anderen Ländern fand in Spanien mit dem Siegeszug des Kapitalismus keine gesellschaftliche und politische Liberalisierung statt. Bis 1931 war Spanien immer noch eine Monarchie, zwar mit Verfassung, welche aber kaum Möglichkeiten zur Partizipation größerer Bevölkerungsteile an der Politik bot. Das gesellschaftliche Klima war weiterhin autoritär-reaktionär, ähnlich wie in Deutschland zu Zeiten des Kaiserreichs. Im Gegensatz6 zu diesem aber gab es in Spanien kein Interesse das Proletariat in die Gesellschaft zu integrieren und es so zu disziplinieren. Stattdessen sollten die Herrschaftsverhältnisse durch die blanke Gewalt des Staates und den geistigen wie physischen Würgegriff der katholischen Kirche aufrechterhalten werden7.

Die spanische Arbeiterbewegung

Deshalb konnten die spanischen Proletarier8 ihre Klassenkämpfe, die sie führen mussten, um nicht völlig unter die Räder der kapitalistischen Maschine zu geraten, oft nur im offenen Gegensatz zum Staat führen. So konnte die Arbeiterbewegung, auch wenn sie wollte, nicht ins System integriert werden, weswegen in Spanien eine lange libertär-antikapitalistische Tradition9bestand, so dass keine Hegemonie des autoritären Staatssozialismus, wie es vor allem in Deutschland der Fall war, entstehen konnte.

In diesem antiautoritären Milieu entstand die CNT („Confederación Nacional del Trabajo“ = Nationaler Bund der Arbeit), eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaft, die während der Bürgerkriegs über 2 Millionen Mitglieder hatte und entscheidend für den revolutionären Verlauf des Bürgerkriegs war.
Der offene und militante Kampf10 zwischen Staatsgewalt und dem anarchistisch geprägten Teil des Proletariats war eine gesellschaftliche Konstante, die bis zum Ende des spanischen Bürgerkriegs prägend für die soziale Situation blieb.

Keine Verbesserung durch die Republik

Dies änderte sich auch mit der Ausrufung der Republik 1931 nicht. Anfangs noch mit Begeisterung aufgenommen, wurden die Erwartungen schnell enttäuscht. Die linksrepublikanischen Regierungen konnten die schlechte soziale Lage nicht verbessern, so dass es immer wieder zu revolutionären Erhebungen kam, die mit zigtausenden Toten blutig niedergeschlagen wurden. Doch auch der Rechten war die Republik zuwider, wenngleich auch aus völlig anderen Gründen. Sie sehnten sich zurück nach den autoritären Zeiten unter der Monarchie und der vom König unterstützten Diktatur Primo de Rivieras oder versuchten mit bewunderndem Blick auf das faschistische Italien, Mussolini nach zu eifern. Nachdem auch eine rechte Regierung diesem Ziel nicht näher kam, wurde schließlich im Jahr 1936 ernst gemacht und der nationale Aufstand durchgeführt.

Die Entmachtung der Mächtigen

Womit wir wieder bei unserem Ausgangspunkt sind. Der Aufstand war also in Teilen des Landes niedergeschlagen worden. Allerdings waren zum Teil – vor allem in der katalanischen Hauptstadt Barcelona – auch die staatlichen Strukturen zusammengebrochen. Das lag daran, dass die Macht der Regierung lediglich11 durch die bewaffnete Staatsgewalt aufrechterhalten wurde. Diese hatte sie aber verloren: Nicht wenige Truppenteile hatten sich dem Putsch angeschlossen, andere Einheiten, die sich gegen die Aufständischen wandten, warfen die Herrschaft der Regierung und Militärhierarchien ab und agierten selbstständig. Die zahlenmäßig stärkste Kraft stellten die selbstbewaffneten Proletarier, allen voran die der CNT und die der mit ihr verbündete FAI („Federación Anarquista Ibérica“ = Anarchistische Iberische Föderation).

Die Regierung war machtlos, der reaktionäre Putsch (auf Katalonien bezogen) niedergeschlagen, die Macht befand sich bei dem Proletariat.

Die Frage, die sich die Libertären nun stellten, war: Was tun?
„Aufs Ganze gehen“12, die Regierung abschaffen, Arbeiterräte – und milizen gründen, zeitgleich die Putschisten bekämpfen und den libertären Kommunismus einführen?
Oder erst einmal gemeinsam mit den anderen linken Kräften zusammen eine antifaschistische Einheitsfront bilden, den Krieg gewinnen und dann die Revolution?

Keine Macht für niemand?

Die CNT und die FAI, die den Großteil des katalanischen Proletariats vertraten, entschieden sich für letzteres. Dies hatte weit reichende Folgen für den Verlauf der Revolution und des Krieges. So beteiligten sich CNT und FAI im Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen, das von oben herab aus Vertretern der Libertären und den der linken Volksfrontparteien eingesetzt wurde, ganz gleich wie unbedeutend diese im Vergleich mit der CNT-FAI auch waren. Dies war ein klarer Bruch mit den anarchistischen Methoden und Zielen. Denn dies war eine Organisation von oben nach unten, die ihre Maßnahmen nicht direkt aus dem erklärten Willen der Basis zog, wie es bei einem Rätesystem mit imperativen Mandat13 gewesen wäre, sondern die ihre Anweisungen von oben an die Ausführenden verordnete.

Dadurch bremste das Zentralkomitee die revolutionären Bestrebungen, lenkte sie in kontrollierbare Bahnen und nahm den Revolutionär_innen teilweise die Initiative aus der Hand.

Revolution ist machbar, Señor!

Dennoch war die revolutionäre Begeisterung ungebrochen. Da die staatlich-kapitalistischen14 Strukturen zusammengebrochen waren, mussten die Aufgaben, die zuvor der Staat und die Bourgeoisie erledigt hatten, von den Arbeiter_innen übernommen werden. Sie organisierten sich in Statdteilkomitees, gründeten Volksküchen, Bibliotheken, Schulen, Theater und Kinos, organisierten die Energieversorgung, die öffentliche Ordnung und die öffentlichen Verkehrsmittel.

Viele Unternehmer hatten ihre Fabriken fluchtartig verlassen, so dass es für die Arbeiter_innen leicht war, die Fabriken in Selbstverwaltung zu übernehmen. Sie beschlossen die wichtigsten Entscheidungen im gemeinsamen Plenum und delegierten Aufgaben an das jederzeit abwählbare Fabrikskomitee. In ausländischen Fabriken wurde auf eine Arbeiter_innenverwaltung verzichtet, um die jeweiligen Regierungen nicht zu verärgern, da sich das Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen immer noch Waffen und Unterstützung von außerhalb erhoffte15.

Jedoch war der Aufstand noch nicht landesweit niedergeschlagen, im Gegenteil, er hatte sich in großen Teilen Spaniens durchgesetzt und versuchte weiterhin, das ganze Land zu erobern.
Daher war es von zwingender Notwendigkeit, so schnell wie möglich den Krieg zu gewinnen.
Dafür wurden Milizen gegründet, die an der Front gegen die nationalistischen Truppen kämpften. Diese organisierten sich entlang ihrer politischen Einstellung. So gab es beispielsweise anarchistische, stalinistische oder sozialistische Milizen. Die meisten Milizen16 waren anfangs – für militärische Einheiten – sehr progressiv organisiert. So wurden die Offiziere gewählt und konnten jeden Tag wieder abgewählt werden. Zum Teil wurde sogar darüber diskutiert, ob mensch – denn auch Frauen waren zu Beginn Kämpferinnen in den Milizen – einen Angriff durchführen sollte oder nicht. Allerdings waren die Milizen sehr schlecht ausgerüstet und unzureichend organisiert, was sie durch revolutionäre Begeisterung wettzumachen versuchten, was aber auch zu hohen Verlusten führte.
Die revolutionären Milizen konnten zu Beginn relativ erfolgreich vorstoßen, was den Menschen auf dem Land – vor allem in Aragonien – die Möglichkeit gab, ihre Lebensverhältnisse umzugestalten, mit dem Ziel des libertären Kommunismus.

So enteigneten die Landarbeiter_innen die Ländereien von Großgrundbesitzern und Sympathisanten der nationalen Truppen und vereinigten diese mit den eigenen Äckern zu Agrarkollektiven. Die kollektivierte Agrarfläche wurde gemeinschaftlich bearbeitet und jedem Mitglied wurde ein Teil des Ertrags zugeteilt17. In manchen Orten gelang es sogar, dass Geld abzuschaffen und die produzierten Gütern allen ihren Bedürfnissen entsprechend zuzuteilen. Die Entscheidungen wurden in der Vollversammlung beschlossen. Weitergehende Aufgaben wurden an besonders geeignete Personen durch imperatives Mandat delegiert. Der Beitritt war fast immer freiwillig18, es war auch möglich als „Individualist“ weiter privat zu produzieren, aber es durften keine Menschen ausgebeutet werden und der Besitz durfte nur ein gewisses Maß der Bedarfsdeckung nicht überschreiten.

Ein völlig neues Lebensgefühl entstand. Die Menschen fingen an, ihr Leben selbst zu bestimmen, ein solidarisches, gleichberechtigtes Miteinander herrschte unter den Leuten und die revolutionäre Begeisterung setzte zuvor zurückgehaltene Leidenschaften frei. Die allgemeine Kultur erlebte eine Blüte, Literatur, Theater, Film, Kunst – dies war nicht mehr einer kleinen Schicht vorbehalten, sondern wurde einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, so dass viele Menschen sich zum ersten Mal in ihrem Leben selbst verwirklichen konnten. Die Emanzipation der Frau machte einen Riesenschritt19 nach vorn, die Frauen kämpften und arbeiteten zusammen für den libertären Kommunismus, Formen des freien Zusammenlebens jenseits der katholischen Moral – und Sexualvorstellungen wurden im breiten Maße durchgeführt.

Der Anfang vom Ende der Revolution

Allerdings dauerte dieses Hochgefühl nicht so lange an. Denn mit der Revolution ging es schon seit ihrem Anfang bergab. Denn als die CNT-FAI beschlossen hatte, im Konzert der Macht mitzuspielen, geriet das Ziel – die staaten- und klassenlose Gesellschaft – immer mehr aus den Augen. So spielte sich die Revolution in den kleineren Ebenen – also in der Fabrik, im Kollektiv usw. – sehr herrschaftsfeindlich ab, da aber keine Organisation und Koordination auf höherer Ebene – zum Beispiel die Planung der gesamten Produktion oder des Krieges – auf libertäre Art geleistet wurde, wurde diese Aufgabe durch von den Parteien und Gewerkschaften willkürlich eingesetzte Organen von oben autoritär gelöst. Diese Organe waren nicht aus den lokalen Komitees hervorgegangen und sollten nicht die Beschlüsse der Basis durchführen, sondern, im Gegenteil, die hohen Organe verordneten der Basis20, was zu tun sei.

Auf diese Art und Weise konnte selbstverständlich keine befreite Gesellschaft geschaffen werden.
Diese Tendenzen verschärften sich immer mehr, so dass schließlich die CNT im Herbst 1936 – als sich als anarchistisch verstehende Organisation! – in die Regierung eintrat. Doch hier konnte sie sich schlecht gegen die Staatssozialist_innen21 durchsetzten, die durch bürokratische Winkelzüge die Revolution eindämmten und in ihre Bahnen lenkten. Schließlich kam es zu offenen Gefechten zwischen der kommunistischen Partei Spaniens (CPE) auf der einen Seite und CNT-FAI und der trotzkistische POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista – Arbeiterpartei der marxistischen Einheit) auf der anderen Seite. Die Stalinist_innen konnten sich durchsetzten und ihre Kontrahenten aus den meisten Machtpositionen vertreiben. Nachdem die zumindest noch theoretisch revolutionär gesinnte Opposition ausgeschaltet war, konnte die CPE ihre reaktionäre Linie22 in vielen Punkten umsetzen. So wurden im Jahr 1937 die Milizen aufgelöst und durch ein autoritäres Volksheer ersetzt, zahlreiche Agrarkollektive durch Gewalt aufgelöst und die Arbeiter_innen-Selbstverwaltung durch die Nationalisierung und Verstaatlichung der Fabriken zerstört.

So war von den revolutionären Errungenschaften praktisch nichts übrig geblieben. Viele Libertäre hofften, wenn endlich der Krieg gewonnen wäre, könnte die Revolution wieder aufgenommen werden, doch diese Möglichkeit wurde durch die Niederlage im Frühjahr 1939 gegenüber Francos23 Truppen zunichte gemacht.
Franco errichtete eine Diktatur, die bis in die 70er Jahre andauerte. Hunderttausende Linke, Revolutionär_innen und Republikaner_innen fielen seiner brutalen Repression zum Opfer, das progressive, herrschaftsfeindliche Milieu, das zuvor im Proletariat bestanden hatte, wurde vollständig zerstört, so dass die revolutionäre Tradition endgültig zerfetzt wurde.

Was bleibt?

Trotz alledem, waren die Errungenschaften und Leistungen der sozialen Revolution in Spanien epochal. Sie war eine ungeheuer weit reichende Emanzipation, die in der „Horror Story“, die sich Geschichte der Menschheit nennt, ihresgleichen sucht. Noch nie lebten so viele24 Menschen so freiheitlich und gleich, noch nie forderten so viele eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Ausbeutung und setzten diese Forderung teilweise selbst um, so dass die von den Apologeten der bestehenden Verhältnisse vorgebrachte Behauptung „Kommunismus, das liegt doch nicht in der Natur des Menschen“ eindeutig ins Reich der Mythen verbannt wurde, zeigen doch die Ereignisse, dass dies durchaus möglich ist, nur leider verdammt schwer.

Allerdings soll hier nicht einfach nur unkritisch die Revolution glorifiziert werden, nein, mensch muss die Fehler erkennen und aus ihnen lernen, um – sollte es jemals wieder zu einer solchen Umwälzung kommen – nicht die gleichen Fehler zu machen.

Daher dürfen bestimmte Prinzipien – wie die Ablehnung von hierarchischen Organisationsformen – nicht aufgegeben werden. Zwar wird es durchaus auch nötig sein, Kompromisse zu schließen, allerdings dürfen diese niemals weg vom Ziel führen, sonst passiert uns das gleiche wie den führenden Personen der CNT, die durch ihre Herrschaftsbeteiligung zum Steigbügelhalter der Konterrevolution wurden.

Ebenfalls muss auch jetzt schon über die zukünftige Gesellschaft diskutiert werden. Zwar entstehen in revolutionären Situationen spontan oft völlig neue und bessere Verkehrsformen unter den Menschen und oft schaffen sie es auf bemerkenswerte Weise mit Problemen umzugehen, aber dennoch kann dies nur von Dauer sein, wenn auch ein Bewusstsein über die Tragweite der eigenen Handlungen und das Ziel vorhanden ist. Nur so können die notwendigen Maßnahmen getroffen werden. Das Scheitern der Revolution in Spanien war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass mensch nicht in der Lage war, emanzipatorische Strukturen für die Koordination der Gesellschaft aufzubauen, da dieser Bereich in seiner Komplexität unterschätzt wurde.

Deshalb konnten sich die, die genau wussten, was sie wollten, nämlich die Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse, durchsetzten und die Revolution abwürgen.

Daher kann eine zumindest ungefähre Vorstellung der befreiten Gesellschaft, die selbstverständlich nie in Stein gemeißelt werden darf und immer zur Diskussion stehen muss und auf die konkreten Verhältnisse angepasst werden muss, den Blick aufs Ziel lenken und so Formen finden, die dieses Ziel schon in sich antizipieren und es erkämpfen.

Dies scheint uns die beste – wenn auch verspätete – Solidarität mit den Revolutionär_innen von damals. Denn das, wofür sie lebten, kämpften und krepierten, hat auch heute nichts von seiner Aktualität verloren
Deshalb:

Für die soziale Revolution!
Für den libertären Kommunismus!

Forum Autonomer Umtriebe Landshut [F.A.U.L.] – faul.blogsport.de
Juli 2011

  1. Die Putschisten wurden meistens als Faschisten bezeichnet, das trifft allerdings auf das heterogene Lager der „Nationalisten“ – wie sie auch von manchen Historikern genannt werden – nicht ganz zu. Neben eindeutigen Faschisten fanden sich dort auch Monarchisten, Katholiken, klassenbewusste Bourgeois, Großgrundbesitzer und Aristokraten. [zurück]
  2. Mit dem republikanischen Lager werden die Kräfte gemeint, die die Putschisten bekämpften und deshalb zusammenarbeiteten. Das heißt nicht, das alle in diesem Bündnis für die Republik kämpften. [zurück]
  3. Das Gender-Gap soll Menschen berücksichtigen, die nicht in die bipolare Geschlechterordnung passen oder nicht passen wollen. [zurück]
  4. Und das galt für fast alle Bauern_Bäuerinnen, auch die, die ein wenig Land besaßen oder pachteten. [zurück]
  5. Noch jämmerlicher als heute. [zurück]
  6. So wurde im Kaiserreich versucht, die Arbeiter_innen in Staat und Gesellschaft zu integrieren und ihnen den Sozialismus auszutreiben, indem von oben soziale Verbesserungen wie die allgemeine Krankenversicherung, Pflegeversicherung, etc. durchgeführt wurden. [zurück]
  7. Dieser wurde 1936 in den „republikanischen“ Gebieten abgeschüttelt, mit dem Sieg Francos (siehe Fußnote 23) konnte die katholische Kirche ihre Macht wieder aufrichten. [zurück]
  8. Hier absichtlich die männliche Form, da die Frauen meist auf die familiäre Reproduktion beschränkt wurden. Auch in den proletarischen Organisationen waren Frauen kaum bis gar nicht vertreten. [zurück]
  9. Diese reicht bis zur Zeit der ersten Internationalen Arbeiterassoziation zurück. [zurück]
  10. Diese wurde von beiden Seiten sehr heftig und mit großen Verlusten an Menschenleben geführt. [zurück]
  11. Persönliche Herrschaft wird letztendlich immer durch blanke Gewalt aufrechterhalten, aber oft ist dies gar nicht nötig, wenn sich die Beherrschten freiwillig unterwerfen. [zurück]
  12. Ausspruch von dem Anarchisten Garcia Oliver, der später jedoch als Minister in die Regierung eintrat [zurück]
  13. Imperatives Mandat: Von der Basis werden Delegierte an das nächst höhere Gremium geschickt. Diese haben die sich an die Weisungen der Basis zu halten. Tun sie das nicht, können sie jederzeit ausgetauscht werden. So soll Herrschaft verhindert werden. [zurück]
  14. Der Kapitalismus war damit allerdings nur teilweise überwunden (bei manchen Agrarkollektive war mensch nahe dran), so waren zwar viele Fabriken in Arbeiterhand, konkurrierten aber weiterhin auf dem freien Markt mit anderen Betrieben, so dass auch von „Kapitalismus auf breiterer Basis“ oder von „Marktsozialismus“ gesprochen wurde. [zurück]
  15. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Lediglich die Sowjetunion belieferte die Republik mit Waffen, und auch hier lies sie sich jedes Gewehr überteuert bezahlen. [zurück]
  16. Die Milizen der stalinistischen PCE und der trotzkistischen POUM waren streng hierarchisch aufgebaut, das konnte allerdings noch nicht zu Beginn des Krieges durchgesetzt werden, da die Milizionäre zuerst auf der egalitären Ordnung bestanden. [zurück]
  17. Die Verteilungsformen unterschieden sich stark von Ort zu Ort. So gab es Einheitslöhne, Familienlöhne, ein Gutscheinsystem oder ein „Nimm´s dir einfach“-System. [zurück]
  18. Es wird selten von Fällen berichtet, in denen anarchistische Milizen bei der Gründung der Agrarkollektive „mithalfen“. [zurück]
  19. Allerdings waren damit noch lange nicht alle Sexismen aus der Gesellschaft verschwunden. Auch bei den Libertärsten war oft immer noch ein patriarchales Frauen – und Familienbild vorhanden. Im Vergleich zur vorrevolutionären Gesellschaft war es jedoch dennoch ein sehr großer Fortschritt. [zurück]
  20. Dies war auch in rein von der CNT-FAI gebildeten Organen so. Beispielsweise im Rat von Aragonien. [zurück]
  21. Besonders die Stalinist_innen konnte sich durchsetzten, da sie als Marionette Moskaus die Waffenlieferungen und die bolschewistischen „Internationalen Brigaden“ kontrollierten. [zurück]
  22. Sie setzte sich für das Privateigentum und für den bürgerlichen Staat ein. [zurück]
  23. Anführer der Nationalisten. [zurück]
  24. Die Zahlenangaben schwanken, aber ungefähr 3 – 5 Millionen. [zurück]