Archiv der Kategorie 'AK AntiRa'

3.Oktober: Naziaufmarsch blockieren

FIGHT THE NAZIS

Antisemitismus, Rassismus, Islamismus den Kampf ansagen!!!

Am 03.10.2009 wollen Neonazis rund um den Regensburger NPD Kreisvorsitzenden Willi Wiener in Regensburg aufmarschieren. Anlass für die Demonstration ist vordergründig der Bau einer Moschee, hintergründig soll durch die Ethnisierung sozialer Konflikte sowie durch das Schüren von Angst vor vermeintlichen oder tatsächlichen radikalen Islamist_innen die rassistische Ausgrenzung von Migrant_innen weiter vorangetrieben werden. Diesem rassistischen Aufzug gilt es sich in den Weg zu stellen.

Zugleich wollen wir den Kulturelativisten eine Absage erteilen, welche das vermeintlich Fremde auch im eigenen Land beklatschen, solange es den Zauber vom Märchen aus Tausendundeiner Nacht bewahrt und nicht als ökonomische Konkurrenz daherkommt. Sie haben so wenig wie die Nazis ein Problem mit dem Islamismus als politisch-sozialem Projekt und seinen wirklich bekämpfenswerten Ausprägungen, wie etwa dem bis ins Groteske übersteigerten patriarchalen Ehrenkodex, den Racketstrukturen, dem Antisemitismus und dem Antiamerikanismus. Befreiung von religiösem Zwang ist auch hier nicht vorgesehen; stattdessen wartet der staatliche Islamunterricht.

Emanzipation des Menschen ist nur gegen die Rekrutierung im Namen von christlichem Abendland sowie Islamismus zu haben.
Jeglicher Ideologie, die dem Individuum die Möglichkeit verwehrt, sich gegen als natürlich gesetzte Werte zu entscheiden, ist der Kampf anzusagen.

Deswegen am 3. Oktober nach Regensburg:

Zugtreffpunkt: 11:15 Uhr – Landshut Hauptbahnhof

Treffpunkt in Regensburg: 12:00 Uhr – Donaumarkt

Lagerschlussverkauf!

Wir wollen die Abschaffung des Lagerzwangs! Alle Lager sind menschenunwürdig. Jeder Mensch hat das Recht, selber zu bestimmen, wo sie/er leben möchte.
Deswegen beteiligen wir uns Samstag den 13.Juni an der bayernweiten Demonstration im Rahmen der Lagerschlussverkauf Aktionstage in München

Zugtreffpunkt: 11:30 Uhr, Landshut Hauptbahnhof

Weiter Infos auf der Seite des Deutschland Lagerland Bündnisses

21.Juni: Kundgebung zum Tag des Flüchtlings


Im August 1992 griffen Neonazis in Rostock über mehrere Tage hinweg, unter dem Jubel von Teilen der Bevölkerung, die zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge und ein Wohnheim vietnamesischer ArbeiterInnen an. Von Seiten der Polizei gab es keine nennenswerten Interventionsversuche gegen den rassistischen Mob. Die Politiker nutzten die durch den Terror der Nazis und die Zustimmung großer Teile der Bevölkerung entstandene Stimmung, um den Weg für eine Grundgesetzänderung im Asylrecht zu ebnen.

Wir wollen den internationalen Tag des Flüchtlings zum Anlass nehmen, diese Grundgesetzänderung und all die anderen mörderischen Missstände der deutsch/europäischen Flüchtlingspolitik zu thematisieren.


Kommt am 21.Juni ab 12Uhr vor das Landshuter Rathaus!

Shut down fortress europe!
Für globale Bewegungsfreiheit! Gegen Rassismus und Ausbeutung!

(mehr…)

„Keine Abschiebung in den Irak“-Demo

Am Samstag ist es nun soweit. Unter dem Motto „Keine Abschiebung in den Irak“ wird eine Demo in Müchen stattfinden. Unter irak.antira.info kommt ihr auf die Seite der Kampagne. Zu finden gibts da auch den bereits verteilten Flyer, sowie zusätzliche Infos.

Treffpunkt für den Zug ist 11.30 am LA HBF und für die Zuspätkommer ist es 11.45, denn um 11.46 fährt der Zug. ;)

Antirassistische Themenwochen

3.Antirassistische Themenwochen
„Antiziganismus im 3.Reich und heute“
28.03. – 21.04.2007
Landshut – Dorfen

mi. 28.03. 19.30 Uhr
Zeitzeugengespräch mit dem Sinto Hugo Höllenreiner. Im Alter von 9 Jahren wurde er aus München mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert. Im April 1945 wurde er in Bergen – Belsen befreit.
Kleines Theater Landshut

mi. 04.04. / do. 05.04. – je 19.30 Uhr
Stephan Dünnwald und Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat berichten von ihrer Recherchereise nach Slowenien. Dort besuchten sie 2006 die Familie Avdiya, eine aus dem Kosovo stammende Roma Familie. Diese war von den deutschen Behörden unter Protest gewaltsam abgeschoben worden.
Infoladen Landshut – JZ Dorfen

sa. 07.04. 21.00 Uhr
Fest im Rahmen der Themenwochen mit der Band „Tuna Trio & the Ghosts“. Die 5köpfige Band bringt Musik vom Balkan, aus der Türkei und dem Magrebh.
Infoladen Landshut

mi. 11.04. 20.00 Uhr
„Es ging Tag und Nacht liebes Kind“
Film über Menschen die Auschwitz erleiden mussten. Sintefamilien machen mit ihren kleinen Kindern die weite Reise nach Auschwitz, sprechen darüber was ihren Verwandten angetan wurde: „Für uns sind unsere Toten gar nicht tot, sie leben in uns und warnen und mahnen uns.“
JZ Dorfen Kino

mi. 11.04. & do. 12.04. 21.00 Uhr
Überraschungsfilm zur Thematik
Kinoptikum Landshut

sa. 21.04. 20.00 Uhr
Konzert im Rahmen der Themenwochen mit Makako Jump“ (Party Ska/I)
& „The Gangnails“ (Psychobilly Punk Rock/CZ)
JZ Dorfen

Antiziganismus im 3. Reich und Heute

Antiziganismus

Der Begriff Antiziganimus bezeichnet die Feindschaft gegenüber Sinti und Roma.Grundlage dieser Feindschaft ist ein „Zigeuner“-Bild, das aus Klischees,Stereotype zusammengesetzt ist.

Geschichte des Antiziganismus

Ähnlich dem Antisemitismus hat auch der Antiziganismus eine Jahrhunderte alte Tradition , und auch seine Ideologeme halten sich beständig. Für ihn gilt, was für Rassismus ganz allgemein festzuhalten ist: Seine Typisierungen und Zuschreibungen sind kein Abbild der Realität, sondern Projektionen und Konstruktionen. Daran ändert auch die Tatsche nichts, dass Staat, Medien und Mehrheitsbevölkerung beständig Klischees und Wirklichkeit miteinander in Einklang wähnen. Die staatliche Verwendung der „Zigeuner“- Konstruktion seit Anfang des 18. Jahrhundert bot sich deshalb an, da sie die soziale Existenz der Vaganten erfasste und gleichzeitig die Lebensweise mit dem Makel politischer Unzuverlässigkeit verband.
Mit Vorurteilen überschüttet, in Märchen als Kindesentführer und Mörder verschrieen und von den Regierungen als vogelfrei erklärt, waren Morde an Sinti und Roma keine Seltenheit und wurden in der menschenverachtenden Tradition der Vogelfreiheit auch nicht bestraft.
Im Laufe der Jahrhunderte kam es so zu zahllosen Vertreibungen aus Städten und Ländern. Die Lebensweise der Roma und Sinti griff die wesentlichen Grundpfeiler der neuen Gesellschaftsstrukturen an.Vagantentum war unvereinbar mit territorialen Grenzen, die – unterstellte – eigene Lebensart war nicht kompatibel mit kultureller Integration, und die eigenständige Arbeit stand konträr zu der geforderten untertänigen Arbeit. Daher konnten die Roma und Sinti allein aus ideologischen Gründen nicht geduldet werden. Hierbei darf allerdings nicht vergessen werden, dass gerade die staatliche Politik die so genannten“ Zigeuner“ zu dieser herumziehenden Lebensweise zwang.
Der Grundstein einer systematischen Verfolgung war somit gelegt.

Verfolgung im Nationalsozialismus

Der gnadenlose Hass gegen Sinti und Roma fand im Nationalsozialismus seinen grausamen Höhepunkt. Schnell stand im „Reichssicherheitshauptamt“ fest, man wolle die „Zigeunerfrage“ bei der Lösung der „Judenfrage“ gleich mit erledigen. Diese „Endlösung der Zigeunerfrage“ kann nicht auf bereits vorhandene antiziganistische Strukturen zurückgeführt werden, da im Nationalsozialismus die Vernichtung entpersonifiziert und versachlicht wurde. Es wurde eine eigenständige Tötungsmaschinerie eingerichtet, die mit bis dato und auch später bekannten Verfolgungen nicht vergleichbar war und ist. Darüber hinaus wurden unter der NS-Herrschaft verschiedene stigmatisierte Bevölkerungsgruppen, ob aus rassitischen, politischen oder sexuellen Motiven, ermordet. All diese Verfolgungen waren Teil der Logik des faschistischen Regimes. Der tradierte Antiziganismus gipfelte dennoch nicht im Vernichtungswahn des Faschismus – dieser folgte einer ganz eigenen Logik, wenngleich der Antiziganismus die Verfolgung dieser Bevölkerungsgruppe, die als asozial und kriminell angesehen und schon zuvor entsprechend behandelt wurde, erleichterte.Ähnlich wie Jüdinnen und Juden wurde auch „Zigeunern“eine „zersetzende“ und „ parasitäre“ Wirkung auf den „deutschen Volkskörper“ zugeschrieben. Der Antiziganismus halluziniert den „Zigeunern“ jedoch keine derart unfassbare, allumfassende Macht wie der Antisemitismus den Jüdinnen und Juden.

Lage heute

Überlebende, die nach 1945 aus den Konzentrationslagern zurück nach Deutschland kamen, wurde jegliche Entschädigungzahlungen mit der Begründung verweigert, sie seien „asozial“. 1982 erkannte der damalige Bunderkanzler Helmut Schmidt die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus erstmal offiziell an. Die Verleugnung der Verfolgung fand nicht mehr explizit statt. Auf der Ebene des Faktischen zeigte sich diese Verleugnung aber sowohl in der Diskussion um ein Bleiberecht der Roma füchtlinge sowie um die Entschädigung von ehmaligen ZwangsarbeiterInnen .Innerhalb des rassistischen Diskurses um die faktische Abschaffung des Ayslrechts zu Beginn der neunziger Jahre nahm der Antiziganimus eine exponierte Stellung ein.Vor allem Roma Flüchtlinge aus Jugoslawien und Rumänien wurden Zug um Zug zu einer Bedrohung stilisiert, die ihren Ausdruck bereits in der Begrifflichkeit fand, Bilder wie „Ayslantenflut“, „Ayslantenschwemme“ und „das Boot ist voll“ waren eindeutige Anspielungen auf Naturkatastrophen und Untergangszenarien .Als „Wirtschaftsayslanten“ diffamiert, wurde den Roma das Bleiberecht bestritten und verweigert.
Öffentliche Stellen legimitieren diese Bilder, indem sie wesentlich zu deren Reproduktion beitragen und ihr durch aktives Handeln etwa in Form von Nichtgewährung des Asylrechts und Abschiebungen zusätzliche Nahrung geben. Auch die Medien sind nicht aufklärerisches Gegengewicht, sondern tragen zur Verbreitung des „Zigeuner“ -Bildes durch die Art und die Auswahl ihrer Beiträge bei. Es zeigt sich,dass Roma und Sinti auch in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts immer noch vorrangig als „Zigeuner“ wahr genommen und behandelt werden.
Bis heute werden Sinti und Roma in allen Ländern Europas rassistischer Verfolgung ausgesetzt und sind rechtlich nicht gleichgestellt. So flohen aus dem Kosovo seit dem Nato- Angriff auf Jugoslawien circa 25 000 Roma vor albanischen Nationalisten. Die übrigen wurden in Ghettos gedrängt und teilweise mit Unterstützung der Kfor umgesiedelt.
Die Definitionsmacht darüber, was unter dem Begriff „Zigeuner“ zu verstehen ist, übt die Mehrheitsgesellschaft aus. Dieser gilt es entgegen zu treten, Vorurteile zu bekämpfen und Diskriminierung den Nährboden zu entziehen.

Rassistische Verfolgung stoppen!
Fuer Bewegungsfreiheit und Bleiberecht!
Entschädigung und Aufarbeitung jetzt!

100 Tage Bleiberecht – Kundgebung in Landshut

100 Tage Bleiberecht, nichts als heiße Luft!

Kundgebung in Landshut zum bundesweiten Aktionstag „100 Tage Bleiberecht“:

· Samstag, 24. Februar 2007 – 12-14 Uhr @ Rathausplatz Landshut (mit Musikbeiträgen der Kölner Hip Hop Band Microphone Mafia )
Bilder vom 24.2.07


Bleiberechtsregelung erhöht Repression gegen Flüchtlinge
Am 16. und 17.11.2006 wurde bei der Innenministerkonferenz in Nürnberg eine neue Bleiberechtsregelung für die 192.000 geduldeten Ausländer in Deutschland beschlossen. 100 Tage danach steht fest, der Angstzustand „Duldung“ bleibt für den Großteil bestehen. Lageralltag, Abschiebungen, Arbeitsverbote und die Verletzung der Würde von Flüchtlingen gehen weiter.
Im Visier von Populisten, die sagen wir seien nicht integriert, das Ausländergesetz haben wir uns nicht selbst fabriziert. Microphone Mafia
Auch im Vorfeld der Konferenz zeichnete sich ab, dass einige Innenminister nicht gewillt sind den teilweise seit mehr als 10 Jahren hier lebenden Geduldeten ein Bleiberecht zu gewähren, sondern eher daran interessiert sind möglichst schnell, möglichst viele Flüchtlinge, mit möglichst wenig Aufwand aus Deutschland in Folter, Hunger, und Krieg abzuschieben.
Wie effektiv sich die Ausschlußbedingungen in der Realität durchsetzen lassen, zeigt sich zum Beispiel hier in Landshut. Wahrscheinlich wird keiner von den etwa 200 Landshuter Flüchtlingen unter die neue Regelung fallen.
Die neue Bleiberechtsregelung hat ihren Namen nicht verdient und enthält derart viele Hürden, dass in der ganzen Bundesrepublik wohl nur etwa 10-15% der 192.000 Geduldeten von ihr profitieren können. Anstatt Bleiberecht für die Geduldeten enthält sie vor allem Hinweise auf eine weitere Verschlechterung im Leistungsrecht für die “nicht unter die Bleiberechtsregelung fallenden, nicht integrierten Ausreisepflichtigen“, die auf Bundesebene geregelt werden soll. Und nicht zuletzt bleiben die Illegalisierten 500.000 bis 1.000.000 Menschen, die ohne jegliche Rechte in Deutschland leben, von einer Bleiberechtsperspektive ausgeschlossen.
Die Koalition wird im März ein neues Aufenthaltsgesetz verabschieden und ein gesetzliches Bleiberecht beschließen. Es gibt zwar Verbesserungen, doch das größte Problem des bisherigen Bleiberechts bleibt bestehen: Nur wer an einem bestimmten Stichtag schon 8 bzw. 6 Jahre hier ist, kommt überhaupt in Frage. Für alle Anderen gibt es keine Perspektive, auch wenn sie dann irgendwann 8 Jahre hier sind.
Das Bleiberecht bleibt damit ein einmaliger Gnadenakt, der das Problem nur vertagt. Vor allem ist jedoch zu befürchten, dass das gesetzliche Bleiberecht mit extrem harten Verschärfungen beim Familiennachzug und bei Verlängerung einer schon erteilten Aufenthaltserlaubnis „bezahlt“ werden muss. Das Gesetz wird damit wieder neue Geduldete und Illegalisierte zur Folge haben, statt endlich eine vernünftige Lösung zu suchen.
Die Innenminister versuchen mit äußerst schlechten Argumenten möglichst wenigen Flüchtlingen ein Bleiberecht zu gewähren, möglichst viele abzuschieben. Auf geduldete Flüchtlinge wird zunehmend Druck ausgeübt, damit sie „freiwillig ausreisen“: durch Einweisung in Abschiebelager, Arbeitsverbote, Entzug von Sozialleistungen, Aufenthaltsbeschränkungen oder die Kriminalisierung wegen „mangelnder Mitwirkung“.

Daher fordern wir von einem neuen Bleiberecht:
- Einen dauerhaft verankerten Rechtsanspruch auf Bleiberecht, statt einem einmaligen „Gnadenerlass“.
- Geldstrafen, mangelnde Mitwirkung an der eigenen Abschiebung oder mangelnde Sprachkenntnisse dürfen niemanden vom Bleiberecht ausschließen. Ein Arbeitsnachweis darf keine Bedingung für ein Bleiberecht sein.
- Für alle Kinder und Jugendliche und ihre Familien, Kranke, Alte und traumatisierte Menschen muss es ein Bleiberecht geben.
- Alle seit dem 23.06.2005 – seit dem ersten Appell zur IMK – Abgeschobenen, die unter die Neuregelung fallen, müssen zurückkehren dürfen.
- Eine Bleiberechtsregelung im Bundestag darf nicht mit anderen ausländerrechtlichen Verschärfungen erkauft werden.
- Schluß mit Abschiebungen!

Bleiberecht für alle Geduldeten und Illegalisierten
Gegen die Festung Europa – Für das Recht auf Asyl

Rede zum Aktionstag
Hundert Tage und kein Bleiberecht

Am 16. und 17. 11. trafen sich die Innenminister um eine neue Bleiberechtsregelung zu beschließen. Dabei muss festgehalten werden, dass das Zusammenkommen der Innenminister weder aus humanen Gründen, noch aus der Erkenntnis sich endlich den Problemen der Flüchtlinge anzunehmen geschah. Vielmehr gaben sie dem Druck nach, der von Flüchtlingen und ihren Unterstützergruppen ausging. Die Forderung war eindeutig: gleiche Rechte für alle und ein Leben, das eine Perspektive bietet. Das Thema Bleiberecht genoss eine große mediale Aufmerksamkeit. Die Flüchtlinge erhielten die Chance, ihre Forderungen in einer breiten Öffentlichkeit wahrnehmbarer zu machen. Das erweckte bei vielen Betroffenen die Hoffnung auf ein
menschenwürdiges Leben, ein Leben ohne Lagerzwang, ein Leben ohne Angst vor Abschiebung, ein Leben das selbst bestimmt werden kann. Doch diese Hoffnung war vergeblich und was übrig blieb, weit ab von der Öffentlichkeit, ist weniger erfreulich und doch so typisch für unsere Gesellschaft und deren Umgang mit Minderheiten. Nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge wird unter die Bleiberechtsregelung fallen. Die Kriterien sind schikanös, gnadenlos, ja: unmenschlich. Nicht Humanität ist die Triebfeder der Innenminister, sondern ökonomische Verwertbarkeit. Die Alten, die Schwachen, die von Krieg und Verfolgung traumatisierten, die sich nicht sofort in die Ausbeutung der Lohnarbeit stürzen können sind nicht erwünscht, müssen raus, weg, abgeschoben werden. Denn eines muss klar sein: den Innenministern geht es in ihrer Ausländerpolitik um vieles, aber ganz bestimmt nicht darum, Menschen in Not zu helfen und ein würdiges Leben zu ermöglichen. Und genau so gestaltet sich auch der Beschluss zum Bleiberecht. Ein Bleiberecht, das keines ist. Ein Bleiberecht, das für die große Mehrheit der Flüchtlinge nur dies bedeuten wird: Eine konkrete Verschlechterung ihrer ohnehin schon unerträglichen Situation, eines Lebens in Lagern mit Paketabfertigung. Die Bleiberechtsregelung ist eine Farce, die in ihrer konkreten Folge die Abschiebung von über 160.000 Menschen in Krieg und Verfolgung bedeuten wird.

Zur Zeit leben in Landshut circa 200 geduldete Flüchtlinge. 200 Menschen: Familien mit Kindern, Alleinstehende, Alleinerziehende. Geflohen aus ihren Herkunftsländern. Geflohen vor Krieg, Verfolgung oder schlicht Hunger; vor rassistischem Wahn, vor religiösen Fanatikern; geflohen, weil man den oder die falsche liebt und nun um sein Leben fürchten muss. Geflohen, weil man eine Frau ist, geflohen, um ihr Leben, ihre Gesundheit oder das ihrer Kinder zu schützen. In der Hoffnung, auf ein besseres Leben in Sicherheit und Freiheit. Der Zyniker könnte nun natürlich einwenden, dass es wohl nicht eben klug erscheint, auf der Suche nach Zivilisation und Menschenrecht sich ausgerechnet nach Deutschland, dem Land der Dichter und des industriellen Massenmords, zu flüchten. Es ist nur eben leider fast unmöglich, als Flüchtling überhaupt lebend nach Europa zu gelangen. Die Grenzen Europas werden abgeschottet. Nicht mit einem Fallbaum, sondern mit Stacheldraht, Wachtürmen und Kriegsschiffen. Jedes Jahr sterben Tausende an Europas waffenstarrenden Grenzen. Und jedes Jahr werden es mehr.
Jeder, der an einem Strand am Mittelmeer liegt sollte sich fragen, wieviele Leichen wohl gerade in diesem schönen blauen Wasser schwimmen.

200 Flüchtlinge leben hier in Landshut. Zusammengepfercht in ein Lager, auf engsten Raum, ohne Privatsphäre in desaströsen hygienischen Bedingungen. Gegessen wird das, was die Beamten einem zuteilen und das Essen entspricht auch genau der Vorstellung, die man von Essen hat, das einem ein Beamter zuteilt. Eine Situation, die von den Behörden bei vollem Bewusstsein so geschaffen worden ist. Den Flüchtlingen soll es in Deutschland so unangenehm wie behördenmöglich gemacht werden. Nicht, dass sie noch anfangen, sich hier wohlzufühlen. Von Anfang an war es wahrscheinlich, dass nicht viele der Landshuter Flüchtlinge von der Bleiberechtsregelung profitieren werden. Denn so wie es bisher aussieht, wird kein einziger der 200 Landshuter Flüchtlinge unter das Bleiberecht fallen. Kein einziger.

Bei dem Beschluss der Innenminister kann keine Rede von einem Recht zu bleiben sein. Von den knapp 190.000, die im Herbst 2006 eine Duldung besaßen und die zu einem großen Teil länger als 10 Jahre in Deutschland leben können schätzungsweise nur 15000-30000 die Voraussetzung für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erfüllen. Geduldete Flüchtlinge und Migrantinnen die sich zum Zeitpunkt des Beschlusses mindestens seit acht Jahren in Deutschland befanden, erhalten eine Aufenthaltserlaubnis, wenn sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und keine Sozialleistungen beziehen. Gleiches gilt für Familien die mindestens seit sechs Jahren hier leben und ein Kind haben, das die Schule oder den Kindergarten besucht. Wenn ein Familienmitglied straffällig geworden ist, dann kann die ganze Familie abgeschoben werden. Dafür gibt es im Deutschen auch ein Wort: Sippenhaft. Wer vor Krieg oder Verfolgung Schutz in Deutschland sucht muss, weil das doch klar ist, Deutsch sprechen können. In Bayern, wo man keine Probleme damit hat, dass sogar höchste Regierungsmitglieder, angeführt vom Ministerpräsidenten, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein scheinen, sieht es mit den von Flüchtlingen geforderten Deutschkenntnissen so aus: spricht ein einziges Familienmitglied nicht gut genug deutsch, befristet das Land die Aufenthaltserlaubnis für alle Angehörigen bis 30.11.2007. Läge man diese Maßstäbe an die gesamte bayerische Bevölkerung: Bayern wäre zum ersten Dezember 2007 praktisch entvölkert. Offen bleibt wie die zuständigen Sachbearbeiter überhaupt die mündlichen Sprachkenntnisse prüfen wollen, obwohl derzeit noch nicht einmal die Veranstalter von Sprachkursen über einen geeigneten Test verfügen. Unmissverständlich heißt es im Beschlusspapier, dass eine Zuwanderung in die Sozialsysteme vermieden und der Aufenthalt von Menschen, die nicht von der Vereinbarung profitieren, konsequent beendet werden müsse. Im Klartext: Wer nicht unters Bleiberecht fällt soll möglichst schnell abgeschoben werden. Eine Gesetzesänderung, die Kettenduldungen, also jenen untragbaren Zustand ständiger Unsicherheit über die persönliche Zukunft, nicht zu wissen, ob man in zwei Wochen überhaupt noch hier ist, oder schon abgeschoben, verhindern würde, ist nicht vorgesehen.

Bis zum 18.Mai müssen die Anträge auf eine Aufenthaltserlaubnis gestellt und Wohnraum, Einkommen und Deutschkenntnisse nachgewiesen sein. Eine für einen Flüchtling fast unlösbare Aufgabe. Auf den Zeitdruck sind die Ausländerbehörden nicht eingestellt, zum Leiden der Flüchtlinge. Nach der Konferenz im November dauerte es fast einen Monat bis die Behörden Anweisungen erhielten: Und während immer noch Unklarheiten bestehen, vergehen Wochen die den Flüchtlingen am Ende fehlen dürften.
Die Situation von Flüchtlingen in Deutschland ist unerträglich. Die Bleiberechtsregelung, so wie sie von uns gefordert worden war, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Herausgekommen ist nichts als heiße Luft. Eine Worthülse, gewendet und sinnentleert, die Flüchtlingen das Leben erschwert und Politiker doch als grinsende Musterknaben der Humanität erscheinen lässt.
Um so wichtiger ist und bleibt daher die Forderung nach einem echten Bleiberecht und dem Asylrecht, einem Grundrecht auf Asyl, in Deutschland.
Jede, die in Deutschland leben will, sollte das Recht und die Möglichkeit dazu bekommen. Wir brauchen weder Staatsbürgerschaften, noch Staaten. Wir brauchen keine Grenzen und schon gar keine Festung Europa. Menschen in Not ist zu helfen. Besonders, wenn man selber Anteil an der Not der anderen trägt. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, zwischen dem Reichtum Europas und der Armut im Trikont gebe es keine Zusammenhänge. Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll von Menschenrechten schweigen.

Microphone Mafia